Was sich wirklich lohnt
Mehr als nur Klassik – die Vielfalt der Region
Wer das Ilmtal nur als die Heimat von Goethe und Schiller wahrnimmt, übersieht die Hälfte. Tatsächlich bietet die Region eine ungewöhnlich dichte Mischung aus Naturerlebnis, Industriekultur, Wellness und Familienangeboten. Manche Ziele sind weltbekannt, andere kennt fast nur, wer in der Nähe wohnt – und genau das macht den Reiz aus.
Eine gute Reiseplanung mischt: einen halben Tag Stadtkultur in Weimar, einen halben Tag draußen am Wasser oder im Wald, dazu ein Museum, das mit Kindern funktioniert, und am Abend ein Restaurant, in dem die Karte regional und ehrlich ist. Wer das beherzigt, kommt nicht erschöpft, sondern erholt nach Hause. Die folgenden Vorschläge sind in einem fiktiven Bogen entlang des Flusslaufs angeordnet, lassen sich aber natürlich beliebig kombinieren.
Imaginata in Jena – Wissenschaft mit allen Sinnen
Im benachbarten Jena, das mit dem Ilmtal eng verknüpft ist, befindet sich die Imaginata. Hier dreht sich alles um Phänomene aus Physik, Wahrnehmung und Mathematik – aber ohne erhobenen Zeigefinger. Stattdessen darf gedrückt, gedreht und ausprobiert werden. Optische Täuschungen, Klanginstallationen, ein riesiger Brunnen mit hydraulischen Experimenten: für Kinder ein Paradies, für Erwachsene oft eine Überraschung. Wer in Jena ist, sollte ohnehin auch das Optische Museum besuchen, denn die Geschichte der Carl-Zeiss-Werke ist von dort nicht zu trennen.
Die Historischen Geraer Höhler
In Gera, etwa fünfzig Kilometer von Weimar entfernt, liegen unter der Innenstadt die Geraer Höhler. Es handelt sich um ein verzweigtes Netz unterirdischer Bierkeller, das vom siebzehnten bis ins neunzehnte Jahrhundert von Brauereien genutzt wurde. Heute kann ein Teil davon besichtigt werden. Im Sommer ist der Temperaturwechsel beim Hinabsteigen besonders eindrucksvoll: Während oben die Sonne brennt, herrschen unten konstant rund neun Grad Celsius. Eine Führung dauert ungefähr eine Stunde – warme Kleidung mitbringen.
Bierbrauen und Käsemarkt im Freilichtmuseum Hohenfelden
Etwa vierzig Autominuten östlich von Weimar liegt das Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden. Hier wurden alte Bauernhäuser, Mühlen und Werkstätten aus der ganzen Region zusammengetragen und originalgetreu wieder aufgebaut. Im Lauf des Jahres finden Themenmärkte statt: ein Käsemarkt, an dem regionale Sennereien ihre Produkte vorstellen, und mehrere Tage rund ums Bierbrauen, an denen alte Methoden vorgeführt werden.
Das Besondere ist die Atmosphäre. Hier riecht es nach Holzfeuer, nach feuchtem Stroh und nach gebackenem Brot. Die Wege sind nicht asphaltiert, die Stimmen der Vorführer sind echt, und niemand spielt Theater. Wer mit Kindern kommt, kann einen ganzen Tag dort verbringen, ohne dass es langweilig wird.
Fachwerk und Stille im Freilichtmuseum Hohenfelden – ein Tag wie aus einem anderen Jahrhundert.
Aktivpark Hohenfelden
Direkt neben dem Freilichtmuseum liegt der Aktivpark Hohenfelden, ein größeres Freizeit-Areal mit Stausee, Badebereich, Hochseilgarten, Sommerrodelbahn und Campingplatz. Wer etwas mehr Adrenalin sucht, ist hier richtig. Familien finden ein vergleichsweise günstiges Tagesangebot, Sportler können stundenlang schwimmen, und am Abend brennen gemütliche Lagerfeuer am Wasser. Die Kombination aus Museum und Aktivpark macht den Tag erst rund.
Avenida-Therme in Bad Sulza
Bad Sulza ist eine kleine Salzstadt am unteren Lauf der Ilm. Hier sprudelt seit Jahrhunderten Sole aus dem Boden, und genau diese Sole nutzt die Avenida-Therme für eine ihrer beliebtesten Attraktionen: das Liquid Sound Tempel, in dem Sie auf dem Wasser liegen und Musik unter der Oberfläche hören. Die Wirkung ist erstaunlich entspannend. Daneben gibt es klassische Becken, Sauna, Gradierwerk und ein Restaurant. Ein Besuch hier ist die ideale Belohnung nach einem langen Wandertag.
Eine Riesenseerose und hundert Piranhas – Ausflugsziele für Familien
Im Botanischen Garten in Jena wächst eine Victoria amazonica, die größte Seerose der Welt – ihre Blätter erreichen einen Durchmesser von eineinhalb Metern. Im Aquazoo desselben Gartens leben tatsächlich Piranhas, daneben Frösche, Schlangen und exotische Pflanzen. Für Familien mit Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren ist das ein zuverlässig spannender Halbtagesausflug. Auch im Tierpark Erfurt und im Zoopark Gera finden sich gute Möglichkeiten.
Welt der Optik – das Erbe von Carl Zeiss und Ernst Abbe
Im Optischen Museum Jena wird die Geschichte einer der wichtigsten Industrien der Region erzählt: die der Feinmechanik und Optik. Carl Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott haben hier mit ihren Erfindungen die Mikroskopie, Brillenoptik und Astronomie revolutioniert. Wer das Museum besucht, lernt nicht nur Geräte kennen, sondern eine Denkweise – die Verbindung aus Handwerkskunst, Wissenschaft und unternehmerischem Mut, die Thüringen geprägt hat. Im benachbarten Zeiss-Planetarium kann man anschließend einen Sternenhimmel erleben, wie ihn die Stadt selbst längst nicht mehr zeigt.
Schnellüberblick: Wofür wie viel Zeit?
| Ziel | Ideal für | Zeitbedarf |
|---|---|---|
| Imaginata Jena | Familien, Neugierige | halber Tag |
| Geraer Höhler | Geschichtsfans | 1 – 2 Stunden |
| Freilichtmuseum Hohenfelden | alle Altersgruppen | halber Tag |
| Aktivpark Hohenfelden | Aktivurlauber, Kinder | ganzer Tag |
| Avenida-Therme Bad Sulza | Erholungssuchende | halber Tag |
| Botanischer Garten Jena | Familien, Naturfreunde | 2 – 3 Stunden |
| Optisches Museum Jena | Technik- und Wissenschaftsinteressierte | 2 Stunden |
Was Sie sonst nirgends lesen
Die schönsten Erlebnisse im Ilmtal sind oft die ungeplanten. Ein kleiner Hofladen am Ortsrand, eine Bäckerei, in der noch nach altem Rezept gebacken wird, ein Konzert in einer Dorfkirche, die kaum jemand kennt – all das gehört zur Reise dazu. Sprechen Sie mit den Einheimischen. Fragen Sie nach Tipps. Sie werden überrascht sein, wie offen und auskunftsbereit die Menschen hier sind, gerade jenseits der touristischen Hauptpfade.
Auch die Frage „Was wissen Sie über Thüringen?“ lohnt einen ehrlichen Selbsttest. Die meisten Besucher kennen Weimar, manche Erfurt, einige den Rennsteig. Doch die Region hat weit mehr zu bieten: alte Burgen, Höhlen, regionale Spezialitäten wie Klöße und Rostbratwurst, lebendige Bräuche und eine Geschichte, die mit jeder Etappe greifbarer wird. Eine Reise ins Ilmtal ist auch eine Einladung, sich auf das Unbekannte zu freuen.