Eine Landschaft zum Bewegen
Der Fluss als Wegweiser
Manchmal ist es ein Glück, sich auf einen Fluss verlassen zu können. Wer dem Lauf der Ilm folgt, der kann sich verlaufen, doch er findet immer zurück. Genau das macht das Ilmtal für Radfahrer und Wanderer so angenehm: Die Orientierung ist einfach, die Steigungen sind sanft, und die Belohnung in Form von Aussichten, Cafés und Sehenswürdigkeiten kommt fast im Stundentakt.
Die Ilm entspringt in einer Höhe von rund siebenhundert Metern, mitten im Naturpark Thüringer Wald. Hier oben ist die Welt noch kühl, mit dichten Fichtenwäldern, Mooswiesen und kleinen Quellen, die unter Steinen hervorkommen. Auf ihrem Weg in die Täler verliert sie an Höhe, gewinnt an Volumen und passt ihre Stimmung der jeweiligen Landschaft an. In Ilmenau ist sie noch ein flotter Mittelgebirgsbach, in Weimar bereits ein gemächlicher Park-Fluss, und kurz vor der Mündung in die Saale fließt sie fast wie ein Tieflandstrom durch weite Wiesen.
Der Ilmtal-Radweg im Überblick
Der Ilmtal-Radweg gehört zu den beliebtesten Familienrouten in Deutschland. Er beginnt in Allzunah, einem kleinen Ort am Rennsteig, und endet nach rund einhundertdreiundzwanzig Kilometern bei Großheringen, wo die Ilm in die Saale mündet. Die meisten Etappen verlaufen auf asphaltierten oder gut geschotterten Wegen, fernab von Autostraßen. Wer nicht alles auf einmal fahren möchte, teilt die Strecke in zwei oder drei Tagesetappen ein und übernachtet unterwegs.
Etappen, Schwierigkeit und Charakter
| Etappe | Strecke | Charakter | Schwierigkeit |
|---|---|---|---|
| Allzunah – Ilmenau | ca. 22 km | Wald, Bergbäche, kühles Klima | mittel (mit Gefälle) |
| Ilmenau – Bad Berka | ca. 35 km | Tal öffnet sich, sanfte Hügel | leicht – mittel |
| Bad Berka – Weimar | ca. 18 km | kulturhistorischer Höhepunkt | leicht |
| Weimar – Bad Sulza | ca. 30 km | weite Wiesen, Wein, Therme | leicht |
| Bad Sulza – Großheringen | ca. 18 km | flach, Mündung in die Saale | leicht |
Im Naturpark Thüringer Wald: hier oben beginnt die Ilm ihren langen Weg.
Wandern am Rennsteig und entlang der Ilm
Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, hat hier eine besondere Möglichkeit: den Rennsteig. Dieser legendäre Fernwanderweg verläuft auf den Höhenzügen des Thüringer Waldes und kreuzt das Quellgebiet der Ilm. Von hier oben hat man Aussichten, die noch heute an die Bilder erinnern, die Goethe in seinem Tagebuch beschrieben hat.
Daneben gibt es zahllose Tagestouren entlang des Flusses, die sich auch ohne große Wandererfahrung machen lassen. Besonders schön sind die Abschnitte zwischen Bad Berka und Weimar, wo der Weg durch alte Buchenbestände und an kleinen Mühlen vorbeiführt. Manche dieser Mühlen sind bewirtschaftet und laden zu einer Pause mit Kaffee und Apfelkuchen ein.
Schäfer, Schafherden und Hütehunde
Wer im Sommer auf den Höhenwegen des Ilmtals wandert, trifft mit etwas Glück auf eine alte Tradition, die hier nie ganz verschwunden ist: die Wanderschäferei. Die Schäfer mit ihren großen Herden ziehen auf den Magerrasen und an den Hängen entlang, oft begleitet von zwei oder drei Hütehunden, die ihre Arbeit leise und konzentriert verrichten. Es lohnt sich, kurz stehen zu bleiben und zuzuschauen. In wenigen Minuten lernt man mehr über das Verhältnis von Mensch, Tier und Landschaft als in jedem Buch.
Winterurlaub im Ilmtal
Der Winter verändert das Ilmtal vollständig. Wenn die Höhenzüge des Thüringer Waldes mit Schnee bedeckt sind, öffnen sich Loipen und kleine Skihänge, die für Familien ideal sind. In Oberhof, das nicht weit entfernt liegt, gibt es professionellere Pisten und das berühmte Biathlon-Stadion. Doch entlang der Ilm selbst geht es ruhiger zu: Spaziergänge auf gefrorenen Wiesen, Glühwein in alten Wirtshäusern, vielleicht eine Pferdeschlittenfahrt – das ist die Stimmung, die viele suchen, wenn sie Weimar im Winter besuchen.
Tiere, Pflanzen, kleine Wunder
Das Ilmtal ist ein Refugium für viele Arten, die anderswo selten geworden sind. Eisvögel jagen am Wasser, Biber haben sich an mehreren Abschnitten wieder angesiedelt, und im Frühjahr blühen an den Hängen Orchideen, die unter strengem Schutz stehen. Die Ilmtal-Imker, eine engagierte Gruppe örtlicher Bienenhalter, sorgen mit ihren Völkern dafür, dass auch die Bestäuber-Vielfalt erhalten bleibt. Honig aus dem Ilmtal ist mehr als ein Souvenir – er ist ein flüssiges Stück Landschaft.
Auch das Wildschwein gehört zur Region, manchmal in einer Häufigkeit, die Bauern und Förster vor Probleme stellt. Wer im Wald unterwegs ist, sollte Hunde anleinen und auf den Wegen bleiben. Insgesamt aber gilt: Das Ilmtal ist eine ausgesprochen friedliche Landschaft, in der Begegnungen mit Tieren in der Regel ein Geschenk sind und kein Risiko.
Tipps für Aktivurlauber
Eine Tour entlang der Ilm gelingt am besten, wenn man sich nicht zu viel vornimmt. Vierzig oder fünfzig Kilometer pro Tag sind auf dem Rad bequem zu schaffen, doch man sollte Zeit lassen für Pausen an Mühlen, in Cafés oder einfach am Ufer. Wer wandert, sollte feste Schuhe tragen und genug Wasser dabeihaben. Mobilfunk funktioniert in der Regel, doch in einigen Tälern wird das Netz dünn, und vielleicht ist genau das eines der schönsten Geschenke der Region.
Vielfältige Unterkünfte erleichtern die Planung. Sie reichen vom einfachen Zimmer in einer Pension bis zur stilvollen Ferienwohnung in einem alten Pfarrhaus. Reservieren lohnt sich, vor allem in der Hauptsaison von Mai bis September. Auch Fahrradverleih und Gepäcktransfer sind in den meisten Orten verfügbar – das macht die Reise besonders entspannt.