Für die Nationalsozialisten waren das Bauen und Bauwerke ein wichtiger Bestandteil der Politik. Es waren “Worte aus Stein”. Gerade in Weimar plante der Reichsstatthalter und Gauleiter Fritz Sauckel eine Umgestaltung der historischen Stadt. Baumaßnahmen waren das Mittel der Wahl, um die Geschichte der verhassten Weimarer Republik auszuradieren. Hier sollte ein nationalsozialistischer Kampfort gegen die Demokratie entstehen. In den ehemaligen Regierungssitz der Republik zogen nationalsozialistische Ministerien ein. Und es gab unzählige Neubauprojekte, um den Stellenwert Weimars als Kultur- und Gauhauptstadt hervorzuheben. Einige der Bauten werden hier vorgestellt.

Das Gauforum

Für dieses Prestigeprojekt wurde der gesamte Teil des historischen Viertels der Jakobvorstadt abgerissen, mehr als 150 Häuser, 75 Läden und Werkstätten fielen dieser Maßnahme zum Opfer, auch der Fluss Asbach wurde umgeleitet. Das Gauforum in Weimar ist das einzige in Deutschland, das beinahe fertig gebaut wurde, es war ein Prototyp für andere Städte. Der Führungsanspruch der NSDAP wird durch die massive Anlage hervorgehoben, daneben wirken die Bürgerhäuser der Stadt Weimar klein.

Bahnhofsplatz

Bis 1939 war der Bahnhofsplatz der zentrale Sammelort für Deportationen in das Konzentrationslager Buchenwald. Jedes Jahr aufs Neue gibt es hier im Mai einen großen Aufmarsch von Neonazis. Dies wird als Gegenveranstaltung zu den Gedenkfeiern zur Befreiung des Konzentrationslagers verstanden. Die Stadt Weimar verschließt offenbar ihre Augen vor dem Problem und quartiert Gäste der Gedenkfeiern in ein Hotel direkt am Bahnhofsplatz ein. Alternativen stehen viele zur Verfügung. Weimarer Bürger versuchen, die Aufmärsche durch Sitzblockaden und Gegendemonstrationen zu verhindern.

Polizeistation im Marstall

Die Leitstelle der Gestapo für Thüringen war im Weimarer Polizeipräsidium untergebracht. Als der Gestapo das Gebäude zu klein wurde, zog sie in das Marstallgebäude um und errichtete im Hof des Marstalls eine Verwaltungsbaracke sowie ein Behelfsgefängnis in der ehemaligen Remise.

Nationaltheater

Hier fand der erste Reichsparteitag der NSDAP statt, zahlreiche Veranstaltungen der Partei sollten folgen. Eine von Walter Gropius gestaltete Gedenktafel wurde entfernt. Heute erinnert das Theater durch nichts mehr an diese Zeit seiner Geschichte, die Fassade ist schillernd, umrahmt von Einkaufspassagen und Restaurants.