Der Begriff “Weimarer Klassik” ist nicht genau definiert. Im 19. Jahrhundert verstand man darunter die Zeit, in der die vier Dichter Goethe, Schiller, Herder und Wieland in Weimar und Jena ihre Schaffensperiode hatten. Eine literarische Übereinstimmung bestand aber eher zwischen Schiller und Goethe. Wesentlich enger wird die Definition gedeutet, wenn man sie auf das gemeinsame Schaffen von Goethe und Schiller bezieht. Zwischen beiden bestand eine intensive persönliche Freundschaft.

Umzug nach Weimar

Christoph Martin Wieland wurde 1772 als Erzieher der beiden Söhne der verwitweten Herzogin Anna Amalie von Sachsen-Weimar-Eisenach nach Weimar berufen. Goethe kam drei Jahre später nach der Veröffentlichung des Briefromans “Die Leiden des jungen Werthers” ebenfalls als Prinzenerzieher. Zu dieser Zeit war er der Führer des Sturm und Drang. Im Jahr darauf holte Goethe auch Johann Gottfried Herder, den er bewunderte, in die Stadt.

Goethe und Schiller

Nach dem Umzug nach Weimar wurden Goethes Werke reifer, er näherte sich formal und inhaltlich dem Ideal der klassischen Antike an. Er reiste einige Jahre später nach Italien, um sich diesem Ideal auch räumlich anzunähern. Die erste Begegnung mit Schiller nach der Rückkehr aus Italien war wenig begeisternd für beide. Goethe hielt Schiller für einen Heißsporn und Schiller sah keine inhaltliche Nähe. Als sich die beiden später erneut in Jena wiedertrafen, war der gegenseitige Respekt schon etwas gewachsen und eine Freundschaft begann. Es folgten ein langjähriger Briefwechsel und eine gemeinsame Schaffensperiode. Diese ästhetische Allianz setzte Schiller auch nach dem Tode Goethes fort.

Ideale der Weimarer Klassik

Die Weimarer Klassik hatte das Ziel, Menschlichkeit und Toleranz zu fördern. Staat und Gesellschaft sollten sich nicht durch Revolutionen, sondern durch eine langsame Entwicklung fortentwickeln. Kunst und Literatur sollen die Humanität fördern und reifer werden, in sich selbst ruhen. Wer sich zu sittlich-moralischen Verfehlungen verführen lässt, muss mit dem persönlichen Verderben rechnen.

Ein kleiner Ausschnitt der Werke aus dieser Zeit:

  • Goethe, Iphigenie auf Tauris (1787)
  • Goethe, Faust (1790)
  • Schiller, Die Bürgschaft (1798)
  • Schiller, Wilhelm Tell (1803/04)